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Roland Seim, Josef Spiegel (Hg.)The Sun Ain’t Gonna Shine AnymoreTod und Sterben in der RockmusikPublisher: Telos Verlag, Münster category: Books published in: Musikforum 03/2009, Page 65 |
Gestorben wurde schon immer, getötet auch. Trotzdem wird im gesellschaftlichen Diskurs „Tod und Sterben“ nach wie vor tabuisiert, weil es unbequem ist. Wenn diese Topoi dann auch noch von Rockmusikern in Texten oder auf Plattencovern behandelt werden, resultieren aus der Empörung nicht selten Verbote und Zensurmaßnahmen.
Mit dem Buch "The Sun Ain’t Gonna Shine Anymore" liefert der kulturwissenschaftliche Telos Verlag den Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Rock’n’Pop-Museum in Gronau, die bis zum 16. August läuft. Die Herausgeber Roland Seim und Josef Spiegel zeigen Beispiele zum Thema „Tod und Sterben in der Rockmusik“ anhand von über 200 farbigen Cover-Abbildungen, von den Beatles bis hin zu Cannibal Corpse.
Vielseitige Beiträge zahlreicher Autoren schildern den Umgang mit Tod, Mord, Selbstmord oder Weltuntergang in unterschiedlichen Musikgenres und Jugendkulturen wie Punk, HipHop, Gothic oder Rock à la Marilyn Manson. Letzterem wird im Kontext von Amokläufen an Schulen gerne eine Mitschuld zugeschrieben, weil die Täter oftmals seine Musik hörten und manche Texte die Ästhetisierung des Sterbens zum Inhalt haben.
Besorgten Pädagogen und Eltern liefern Buch und Ausstellung Einblicke in die Musikkulturen und helfen zu verstehen, dass Gewaltdarstellung oder Todesfaszination in der Musik nicht Aufrufe zum aktiven Töten sind, sondern sich letztlich als Stilmittel entlarven, zum Zwecke der Provokation oder der Erregung von Aufmerksamkeit.
Obwohl Buch wie Ausstellung keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, eröffnen sie tiefer gehende Betrachtungsweisen und sind allen zu empfehlen, die sich über die reine Musikkonsumentenrolle erheben und sich eindringlicher mit dem Thema beschäftigen möchten.
Magnus See
